ZARTBITTER

Frauen und Schwule - eine Freundschaft wie sie inniger und verständiger nicht werden kann? Vergessen Sie's!
Eine Chocolaterie in einer europäischen Großstadt. Zwei Chocolatiere in einer gemeinsamen Küche. Tom liebt Schokolade, Samantha liebt Schokolade.
Aber Tom liebt nicht die Frauen und Samantha hasst schwule
Männer. Eine kalorienreiche und giftsprühende Kombination, die plötzlich tödlich werden kann, wenn beide denselben Mann lieben...
Eine bissigböse Komödie, garantiert politisch unkorrekt und voller Schokolade!

Zu beziehen ist "Zartbitter" über den Cantus Verlag, Eschbach

LESEPROBE

Sam ist allein in der Küche. Vor sieben Tagen hat sie herausgefunden, dass Tom, ihr neuer zweiter Chocolatier, schwul ist. Sam hasst schwule Männer, also hat sie alles versucht, um ihn aus dem Laden zu vertreiben. Doch zu spät: Die Besitzerin der Chocolaterie, Madame Picard, ist überzeugt von Toms Leistungen und hat ihn fest engagiert. Sam lässt ihren Unmut gegenüber Marie, der Küchenhilfe, freien Lauf.

SAM
Sieben Tage! Sieben verdammte Tage! Und er ist immer noch hier. Fabriziert seine winzigen raffinierten Pralinen, bastelt an neuen ekelhaften Schokoladenvarianten und nimmt mir den Raum zum Atmen! Das kann nur eines heißen, Marie: Wenn mir nicht bald etwas einfällt, werden wir Mr. Dancing Queen nie mehr los! Madame Picard liebt seine widerlichen kleinen Kreationen. Oh, ich hätte es sofort wissen sollen! Welcher heterosexuelle Mann würde seine Schokolade mit Ananas-Paprikacreme füllen? Natürlich! Keiner! Nur der neue schwule Chocolatier im „Picard’s“! Und ich dumme Ziege kann gar nicht schnell genug zu Madame Picard rennen, um ihr von seiner Schokolade vorzuschwärmen, von diesem unglaublichen Geschmack, dieser beschissenen originellen Vielfalt der Aromen! Und sie sagt, „Toll, Samantha, gut, Samantha, endlich Samantha!“ Und die kleine Samantha steht da und grinst wie ein kleines dämliches Mädchen, während Tom in meiner Küche seine schwulen Finger in meinen Chili steckt! In meinen Chili! Und wer weiß, in welchen Gewürzen er noch war!

Was? Nett? Nett? Oh, Marie, du musst noch eine Menge lernen. Eine ganze Menge! Ich habe schon so einige wie den in meinem Leben kennen gelernt. Am Anfang schleimen sie sich ran, machen einen auf beste Freundin, nur halt in männlich. (Sie lacht auf.) Naja, soweit man bei denen männlich sagen kann. Aber wehe, du sagst nur ein falsches Wort. Du hast vielleicht einen schlechten Tag, sagst einmal deine ehrliche Meinung. Dann kreischen sie schlagartig in den höchsten Tönen los, schwingen die große moralische Keule und nennen dich ein intolerantes Arschloch! Und ich bin tolerant! Oh ja, bin ich ein toleranter Mensch. Aber eins kann ich dir sagen, Marie: Wenn wir den so machen lassen würden, wie er wollte, dann hätten wir hier in Nullkommanichts jeden Tag Christopher Street Day! Er würde kleine Schokoladenschniedel ins Schaufenster legen und dann kommen seine ganzen Lack-und-Lederfreunde, juchzen sich die Seele aus dem Leib und jeder vernünftige Kunde wird um das „Picard’s“ einen Riesenbogen machen.

Ich habe nichts gegen Schwule, Marie. Ich habe wirklich nichts gegen Schwule. Aber sie sind die Pest jeder Großstadt. Überall laufen sie herum, mit Lederhosen, bei denen die Arschbacken ausgeschnitten sind. Und kaum wirft irgendwo jemand eine Madonne-Cd an, schon starten sie eine Parade. Mein Mann sagt auch immer: „Lass uns bloß einen großen Bogen um diese ganzen Läden machen. „

Ich habe ja versucht, das Madame Picard zu erklären. Ich war ganz ruhig, Marie, ganz vernünftig. Und weißt du, was sie dann gesagt hat? Du wirst es nicht glauben! Sie sagte: „Samantha, jetzt stell dich nicht an wie ein ungezogenes Kind!“ Ich war sprachlos. Ich war komplett sprachlos. Nach all den Jahren muss ich mir so etwas anhören.

Dabei war ich war fair. Ich habe direkt mit offenen Karten gespielt. Ich habe ihm vom ersten Moment an gezeigt, dass jemand mit seiner inneren Haltung nicht für eine so wichtige Position im „Picard’s“ geeignet ist. Und was passiert? Anstelle dass er reagiert, wie jeder anständige Mensch und sich eine passende Stelle in… einem Friseursalon oder einer Balletttruppe sucht, steht er am nächsten Morgen dummdreist wieder hier, als wäre nichts passiert. Aber in diese Suppe habe ich ihm gründlich gespuckt.

Lichtwechsel Rückblick. Sam verlässt die Bühne. Tom kommt rührend mit einer Schüssel von hinten. Sam kommt zur Tür herein und ignoriert Tom.


SAM
Guten Morgen, Marie.

TOM
Guten Morgen, Sam.

SAM
Hm.

Kurze Stille.

TOM
Sam, ich weiß, dass du gestern spontan etwas merkwürdig reagiert hast. Ich weiß nicht genau, wie das gekommen ist, aber ich kann mir vorstellen, dass du heute nicht allzu glücklich darüber bist. Wenn du willst… von mir aus ist alles vergessen.

Er hält ihr die Hand hin.

SAM wischt sich in Ruhe die Hände ab und blickt überdeutlich nachdenklich auf Toms Hand. Dann atmet sie durch. Ruhig und entschieden
Jetzt pass mal gut auf, du kleiner Rosettenkünstler. Wenn es heute etwas gibt, über das ich „nicht allzu glücklich“ bin - wie auch immer man auf so eine tuckige kleine Formulierung kommen mag - dann ist es, dass ich mir immer noch mit dir einen Raum teilen muss.

Solltest du Bedarf danach haben, jemanden die Hand zu reichen, dann geh nach draußen zu den Kunden. Solltest du diese spontane Reaktion von mir wieder „etwas merkwürdig“ finden… dann ist das dein Problem.

TOM starrt sie eine Zeitlang verblüfft an, während sie zu arbeiten beginnt
Wow!

SAM
Noch Fragen?

Er geht kopfschüttelnd hinaus.